| Ziele
und Aufgaben der AIDS-Prävention |
| |
Da
zur Zeit weder Impfstoffe zur Verfügung stehen, die vor einer Neuinfizierung
vor HIV schützen, noch eine kurative Behandlungsmethode in Aussicht
steht, kann nur eine ausreichende Präventionsarbeit eine Ausweitung
der Krankheit vermeiden und gegen die HIV-Infektion und Diskriminierung
entgegenwirken.
Massenmediale Kampagnen können nur unterstützend auf die Arbeit
der Präventionskräfte einwirken, denn sie bewirken nur einen
kurzfristigen Effekt, der schnell an Wirkung verliert.
|
| Arbeitsbereiche
der AWO Beratungsstelle |
| |
- schulische und außerschulische Präventionsarbeit mit
Jugendlichen
- Präventionsarbeit mit besonderen Zielgruppen
- Elternarbeit
- Informationsveranstaltungen
- telefonische Beratung
- persönliche Beratung
- Fortbildung für Multiplikatoren (z.B. LehrerInnen, SozialarbeiterInnen,
Eltern )
- Auswertung der praktischen Erfahrung und
- Weiterentwicklung von Präventionskonzepten
- überregionaler Arbeitskreis
Der Schwerpunkt in der praktischen Arbeit liegt dabei eindeutig bei
der schulischen und außerschulischen AIDS-Prävention mit
Jugendlichen.
|
Schulische
und außerschulische Präventionsarbeit mit Jugendlichen
|
| Infektionswege
und Schutzmöglichkeiten |
Ein
Teil der Arbeit besteht in der Aufklärung von medizinisch-biologischen
Hintergründen der Infektionskrankheit AIDS. Dazu gehört sowohl
die Diskussion über die Herkunft der Krankheit als auch über
den HIV-Antikörper-Test. Im Vordergrund stehen allerdings die Infektionswege
und die Schutzmöglichkeiten (Safer-Sex und Kondomanwendung).
In diesem Bereich ist es sehr wichtig, sich nicht zu einer zu detaillierten
wissenschaftlichen Darstellung und Sprache hinreißen zu lassen.
Das würde dazu führen, dass die Jugendlichen schnell
abschalten und die wesentlichen Informationen nicht aufnehmen würden.
Es geht um klare einfache Botschaften, die verstanden und behalten werden
können. Nur durch eine realistische Einschätzung der Krankheit
ist ein Abbau von Panik zu erreichen. Denn aus Panik ist kaum ein vernünftiges
Handeln zu erwarten.
Wir wollen die „kommunikative Kompetenz" der Jugendlichen erhöhen,
um somit verantwortungsbewusste Entscheidungen zu ermöglichen
und risikoarme Verhaltensweisen zu fördern.
|
|
Sexualpädagogik |
Ein
anderer Teil der Tätigkeit liegt in der Sexualpädagogik. Der
Zusammenhang von AIDS und Sexualität macht es nötig, dass
Themen wie Liebe, Freundschaft, Beziehung, Verhütung, Pubertät,
Vielfalt menschlicher Sexualität wie Hetero-, Homo- und Bisexualität,
Pornographie, Selbstbefriedigung und nicht zuletzt unterschiedliches
Rollenverhalten angesprochen werden.
Da Sexualität auch immer noch ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft
ist, fällt es auch den Jugendlichen nicht leicht, über diese
Themen, die Sie hautnah berühren zu sprechen. Über Sexualität
zu sprechen muss gelernt werden.
Aus diesem Grund ist es wichtig, Hilfestellung auf diesem Gebiet zu
geben, auch für Eltern und Pädagogen .
Das Ziel der sexualpädagogischen Tätigkeit der Youthworker
ist, bei den Jugendlichen ein verantwortungsbewusstes Verhalten
im Bereich Sexualität, sich selbst und dem Partner gegenüber,
zu erreichen. Neben einen positiven Gefühl ihrem Körper, der
Liebe und der Sexualität gegenüber werden auch Denkanstöße
gegenüber festgefahrenen Rollenmuster gegeben. Denn noch immer
sind es die Mädchen, die sich in der Hauptsache für diese
Fragen verantwortlich fühlen.
|
| Umgang
mit der Krankheit AIDS |
Der
dritte Bereich, der in der AIDS-Prävention angesprochen wird, besteht
aus Themen wie Krankheit, Sterben und Tod. Dieses sind Inhalte mit denen
sich Jugendliche in den meisten Fällen noch nicht beschäftigt
haben.
Auch wenn bisher nur wenige Jugendliche HIV-infiziert oder AIDS-Krank
sind und es von denen nur wenige bekannt geben, werden durch die globale
Angst vor AIDS diese Themen an die Jugendlichen herangetragen. Das Vertrauen
in unsere Gesellschaft ist bei den Jugendlichen in diesem Punkt sehr
gering, nur ganz selten würde jemand selbst den besten Freunden
gegenüber eine eigene HIV-Infizierung zugeben, aus Angst vor gesellschaftlichen
Sanktionen. Auch die Bereiche der Ausgrenzung bzw. die Situation von
HIV-Infizierten oder AIDS- Kranken in unserer Gesellschaft ist für
die Jugendlichen oft erst dann nachzuvollziehen, wenn man Sie mit ihren
eigenen Ausgrenzungsproblemen konfrontiert bzw. Sie daran erinnert.
Meist herrscht eine recht liberale und tolerante Einstellung den Betroffenen
gegenüber vor. Spielt man aber mit den Jugendlichen die Situation
einer eigenen Erkrankung oder der eines Mitschülers durch, werden
die Schwierigkeiten dieser Situation bewusster und die Selbsteinschätzung
realistischer. Angst macht in diesem Zusammenhang nicht nur eine mögliche
HIV-Infektion, sondern auch die Verhaltensunsicherheit gegenüber
"Positiven" und AIDS-Kranken.
Durch Gespräche und Rollenspiele zu diesem Thema werden irrationale
Ängste relativiert und die Jugendlichen entwickeln eine
entspannte
und realistische Einstellung zu AIDS-Problematik.
|
| Drogen
und Suchtvorbeugung |
Der
vierte Bereich, der in der AIDS-Prävention berücksichtigt
wird, betrifft den i.v. Drogenkonsum , denn beim intravenösen (i.v.)
Drogengebrauch liegt eine der größten Ansteckungsgefahren
in der Verwendung einer Spritze durch mehrere Personen. In der Prävention
kann neben dem Hinweis auf die extrem große Ansteckungsgefahr
beim gemeinsamen Spritzengebrauch auch weitere Informationen über
Drogen und Sucht und deren Wirkungsweise behandelt werden.
|
Rahmenbedingungen
für die Präventionsarbeit
|
| |
Um
diese genannten Bereiche in der praktischen Präventionsarbeit umsetzen
zu können, ist es wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in
der die Vielfalt der Themen behandelt werden kann, ohne dass die
Jugendlichen davon überwältigt werden. Durch den Wechsel von
Informationen, (Rollen)-Spielen, sexualpädagogischen Methoden und
Gesprächen wird den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben,
sich über ihre eigenen Bedürfnisse klarer zu werden und im
geschützten Rahmen des Spiels neue Grenzerfahrungen zu sammeln.
Dafür ist es nützlich, mit möglichst kleinen Gruppen
(max. 14 TeilnehmerInnen) zu arbeiten und die verschiedenen Themen in
einer Präventions-Reihe (3 x 2 - 4 Doppelstunden oder eintätigen
Projekttagen) zu behandeln, deren Teilnahme auf Freiwilligkeit beruht.
Es muss respektiert werden, dass SchülerInnen aus moralischen
oder religiösen Gründen nicht über Sexualität reden
wollen. Von daher muss die Möglichkeit gegeben sein, dass
diese dann von der Veranstaltung freigestellt werden.
Es hat sich als günstig erwiesen, dass LehrerInnen nicht am
Unterrichtsgeschehen zugegen sein sollten, da die Anwesenheit sich oft
hemmend auf die Offenheit der Schüler und Schülerinnen auswirkt.
Wir bieten nach Beendigung einer Präventionsreihe den LehrerInnen
an, mit uns in einen Informationsaustausch zu treten, um gemeinsam über
eingesetzte Methoden und Themen zu reflektieren. Wir werden hierbei
jedoch nicht auf einzelne SchülerInnen zu sprechen kommen, da wir
alle Aussagen der SchülerInnen vertraulich behandeln.
Für die Arbeit in den Schulen bietet es sich an, die Klassen zu
halbieren und mit der einen Klassenhälfte AIDS-Prävention
zu machen, während mit der anderen Hälfte Unterricht in einer
besonders intensiven Form weitergeführt werden kann.
Für die SchülerInnen besteht darüber hinaus die Möglichkeit,
sich mit weiterführenden und auch persönlichen Fragen direkt
an die AIDS-Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt zu wenden. |
 |
|